Filmkritik: Das Schwein von Gaza (Tragikomödie, im Kino)

Das Schwein von Gaza
Darsteller: Sasson Gabai, Baya Belal, Miriam Tekaia
Regie: Sylvain Estibal
Zur Handlung:
Auch wenn es vulgär klingt, man kann es nicht anders ausdrücken: Der Fischer Jafaar hat ein ziemlich beschissenes Leben. Es ist ja schon schwer genug, überhaupt im Gaza-Streifen zu leben, aber das ist ja längst nicht das einzige Problem. Jafaars Haus ist eine Ruine, auf der zwei israelische Soldaten einen Beobachtungsposten haben. Und die lästigen Juden wollen auch immer seine Toilette benutzen!
Außerdem ist Jafaar ein Fischer, der nichts fischt und daher kaum Geld verdient. Weil die Palästinenser nicht weiter als 4 Kilometer vor der Küste fischen dürfen, fangen sie meist nichts außer Müll und alten Sandalen. Jafaars Frau fängt schon an, den Glauben an ihren Mann zu verlieren.
Doch eines Tages zieht Jafaar etwas sehr Schweres aus dem Wasser: Ein lebendiges Schwein, das von irgend einem Schiff gefallen sein muss. Jafaar ist entsetzt, denn weder er noch die meisten seiner Bekannten haben je ein Schwein gesehen. Weil das Schwein sowohl für die Juden als auch Moslems ein unreines Tier ist, scheint er zunächst keinen Nutzen für das fröhlich grunzende Wesen zu haben.
Niemand will es kaufen, essen oder auch nur anfassen. Jafaars Glaube verbietet sogar, dass das Schwein den Erdboden seiner Heimat berührt. Aber er bringt es nicht übers Herz, es umzubringen, denn im Grunde sind sie ja beide arme Schweine. Was nun?
Eine Israelin betreibt ein Zucht- und Forschungsprojekt und benötigt dafür Schweinesperma. Das ist Jafaars große Chance, an Geld zu kommen. Aber das Schwein weiter zu verstecken (auch vor seiner Frau) und gleichzeitig an dessen Samen zu kommen entpuppt als knifflig, um es gelinde auszudrücken. Jafaar kommt dabei in so manche schräge Situation und gerät sogar mit Terroristen aneinander.
Meine Meinung:
“Das Schwein von Gaza” ist eine geistreiche und humorvolle Parabel auf die mitunter groteske Situation in Palästina, wo sich Israelis, Islamisten, palästinensische Polizei und die ganz normalen Leute inmitten von Stacheldraht, Ruinen und Schutzmauern ständig gegenseitig auf die Nerven gehen und jeder irgendwie versucht, in diesem Durcheinander zurecht zu kommen.
Jafaars Schwein scheint noch am gelassensten mit der ganzen Situation umzugehen, während alle Menschen sich mit ihren alltäglichen, politischen und religiösen Problemen herumschlagen. Der Film zeigt jedoch, dass im Grunde alle Menschen nur arme Schlucker sind, die irgendwie durch’s Leben kommen wollen, egal ob Moslem oder Jude.
Eins der wenigen Dinge, was Israelis und Palästinenser im Film zu vereinen scheint ist, dass sie nichts mit dem Schwein zu tun haben wollen. Doch ironischerweise sind sowohl Jafaar als auch die israelische Züchterin auf das eigentlich verhasste Tier angewiesen und es entsteht eine kleine Brücke zwischen den Kulturen.
Die Figuren sind allesamt sympathisch und trotz der vielen humorvollen Situationen, in die Jafaar und sein geheimes Schwein kommen, gleitet der Film nie ins Alberne ab, sondern bleibt glaubwürdig. Man muss klar sagen, dass es keine Slapstick-Komödie ist, wo sich ein Gag an den nächsten reiht. Dafür will der Film zu viel aussagen.
Heitere Momente wechseln sich mit nachdenklichen, ruhigen, traurigen und kritischen Momenten ab. Das Ergebnis ist eine intelligente und unterhaltsame Geschichte, die ohne moralischen Zeigefinger eine Botschaft der Menschlichkeit und Verständigung beinhaltet.
Absolut sehenswert.
Meine Wertung: 9 von 10 Punkten
Deutscher Kino-Trailer:
